Universitätsklinik für Radioonkologie

420

Adresse: Crona Kliniken
Hoppe-Seyler-Str. 3
72076 Tübingen


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Fragen zur Hyperthermie

Auf Ihre Fragen antwortet:

Dr. Vanessa Heinrich

Oberärztin

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Das Wort Hyperthermie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Überwärmung. Bei der Hyperthermie wird in bestimmten Körperarealen mittels elektromagnetischer Wellen eine Temperatur von ca. 42 °C herbeigeführt und über eine Stunde aufrechterhalten.

Die Hyperthermie wird gemeinsam mit der Strahlentherapie und/oder Chemotherapie durchgeführt. Ihre Wirkung hängt dabei von der erreichten Temperatur ab: Ab 42,5 °C wirkt sie direkt zellabtötend (zytotoxisch). Bei Tumoren, die schlecht mit Blut und Nährstoffen versorgt werden, können auch schon niedrigere Temperaturen zellabtötend sein.

Schon bei Temperaturen ab 40 °C tritt ein strahlensensibilisierender Effekt ein. Denn die  erwärmten Zellen können sich von den Strahlenschäden schlechter erholen. Durch Überwärmung ist eine bis zu fünffach gesteigerte Wirksamkeit der Strahlen zu erreichen. Das kann bei bereits vorbestrahlten Patienten von großem Vorteil sein, denn es können beim zweiten Mal geringere Dosen appliziert werden.

Ebenso reagieren überwärmte Zellen sensibler auf Chemotherapeutika. Insbesondere bei Wirkstoffen, die direkt mit dem Erbgut der Tumorzelle reagieren (z. B. Cisplatin, Carboplatin) wird ein größerer Effekt erreicht. Zudem steigert die Überwärmung die Durchblutung der Tumoren, so dass eine größere Menge der Medikamente ihr Ziel erreicht.

  •  Lokoregionäre Hyperthermie wird bei dicht unter der Haut liegenden Tumoren eingesetzt, wie z. B. einzelnen Halslymphknotenmetastasen, Brustwandtumoren oder Rezidiven nach Brustkrebs. Der Hyperthermieapplikator wird direkt auf der Hautstelle positioniert, unter der der Tumor liegt. Die Wärme wird durch Spiralantennen in Mikrowellentechnik von außen auf das Gewebe übertragen.
  •  Regionale Tiefenhyperthermie wird zur Überwärmung größerer Körperareale verwendet, insbesondere bei Tumoren, die sich tiefer im Körperinneren befinden, z. B. im Beckenbereich, im Bauchbereich oder in der Oberschenkelregion. Die zu erwärmende Körperregion wird in einem ringförmigen Applikator gelagert. Die auf den Applikator angeordneten Antennen fokussieren die Radiowellen genau auf den Krebsherd. So werden in tieferen Gewebeschichten höhere Temperaturen erreicht.
  •  Teilkörperhyperthermie mit Magnetresonanz-Temperaturmessung ist ein neues Verfahren, bei dem die Wärme ebenfalls mittels eines Ringapplikators zugeführt wird. Dabei sind noch größere Überwärmungsfelder als bei der regionalen Tiefenhyperthermie möglich (z. B. der gesamte Bauchraum). Ein weiterer Vorteil ist die im 10minütigen Intervall durchgeführte Kernspinuntersuchung zur besseren Lokalisation und Steuerung der Temperatur.

Hauptanwendungsgebiet für die Hyperthermie sind große Tumoren, die bereits in benachbartes Gewebe eingewachsen sind und nicht mehr vollständig bei einer Operation entfernt werden können. Bei Patienten, die eine vorangeschaltete Radiochemotherapie erhalten, um eine nachfolgende Operation besser durchführen zu können, kann die zusätzliche Hyperthermie die Effektivität der Radiochemotherapie erhöhen. Auch wenn die Heilungsaussichten mit einer Strahlentherapie oder Chemotherapie alleine manchmal nicht gut genug sind, wird die zusätzliche Hyperthermie eingesetzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die parallele Hyperthermie zur Intensivierung einer Chemotherapie bei fortgeschrittenem Krankheitsgeschehen.

 Bei folgenden Krebserkrankungen kann eine Hyperthermie sinnvoll sein: 

  •  Darmkrebs (Rektumkarzinom): Lokal fortgeschrittener Tumor in der Erstbehandlung oder Lokalrezidiv
  •  Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom): Lokal fortgeschrittener Tumor in Kombinationstherapie oder Lokalrezidiv
  •  Brustkrebs (Mammakarzinom): sichtbarer oder nicht sichtbarer Resttumor nach Operation oder inoperables Lokalrezidiv
  •  Weichteilsarkom: bei sichtbarem oder nicht sichtbarem Resttumor nach Operation, oder präoperativ, um die Funktion der Extremität zu erhalten, ferner in der palliativen Situation in Kombination mit Chemotherapie
  •  Malignes Melanom: In-transit-Metastase, inoperables oder nur teilweise operables Lokalrezidiv
  •  Kopf- Halstumore: fortgeschrittene Lymphknotenrezidive bei kontrolliertem Primärtumor,  fortgeschrittene Lokalrezidive
  •  Blasenkarzinom:  Lokal fortgeschrittener Tumor im Kombinationskonzept zum Blasenerhalt oder Lokalrezidiv

In zahlreichen Studien wird die Hyperthermie bei verschiedenen Tumorarten wissenschaftlich überprüft und ständig weiter entwickelt. Folgende wissenschaftliche Multicenterstudien wurden und werden im internationalen Atzelsberger Arbeitskreis entwickelt:

  •  HyRec-Studie : Patienten mit lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom oder Lokalrezidiv eines Enddarmtumors nach Vorbehandlung
  •  HEAT-Studie : begleitende Hyperthermie mit Chemotherapie beim operierten Pankreaskarzinom
  •  Analkarzinom-Studie : Patienten mit lokal fortgeschrittenem Analkarzinom erhalten zum Teil eine Standard-Radiochemotherapie und zum Teil zusätzlich regionale Tiefenhyperthermie
  •  Frühe oberflächliche Blasenkarzinome : Hyperthermie parallel zur Instillation von MMC bei superfiziellen Blasenkarzinomen
  •  Lokal fortgeschrittenen Blasenkarzinome: Hyperthermie parallel zur Radiochemotherapie bei fortgeschrittenem Blasenkarzinom zum Erhalt der Blasenfunktion.

Sie darf nicht angewendet werden bei Patienten mit schwerer Herzerkrankung, einem Herzschrittmacher oder Metallimplantaten, z. B. künstlichen Gelenken, im Therapiegebiet.

Auch dürfen schwangere Patienten nicht hyperthermiert werden.

Die Teilkörperhyperthermie mittels Kernspinuntersuchung darf nicht bei Patienten mit Tinnitus (Ohrgeräusch), mit großen Tattoos im Untersuchungsbereich, mit Metallimplantaten oder Chochleaimplantaten (Gehörimplantaten), mit Piercing oder Platzangst durchgeführt werden.

Bei der Hyperthermie liegen die Patienten in einer Hängematte und bekommen einen Ringapplikator um das zu überwärmende Tumorgebiet. Zur Temperaturmessung in Tumor und Risikoorganen werden an der Körperoberfläche und in bestehende Hohlorgane (wie Rektum und Blase) Temperaturmesssonden gelegt. Für die Temperaturmessung im Tumor kann es notwendig sein, dass ein  Messkatheter unter Lokalanästhesie direkt ins Zielgebiet gelegt wird. Zur Durchführung einer Hyperthermie wird ein bildgestützer Rechnerplan zur Temperaturverteilung und Applikation der Wärme angefertigt.

Nein. Sowohl der Kreislauf als auch die Sauerstoffsättigung werden bei jeder Hyperthermie konstant klinisch überwacht. Gleichzeitig wird der Patient ständig von einer Schwester und einem Arzt beobachtet und hat direkten Sicht- und Sprechkontakt oder ist über Kopfhörer und Mikrofon sowie Videokamera mit dem Personal verbunden.

Die Hyperthermie ist im Allgemeinen eine verträgliche Therapie, von der keine schwerwiegenderen Nebenwirkungen bekannt sind. Mögliche leichtere Nebenwirkungen sind örtliche Überhitzungen mit Schmerzen und kleineren Verbrennungen, die direkt bei der Behandlung entstehen können. Andere Nebenwirkungen hängen von der verwendeten Technik ab, so z. B. Druckbeschwerden durch große Wasserkissen bei der regionalen Tiefenhyperthermie.

Invasive Sonden zur Temperaturmessung können zu Infektionen oder bewegungsabhängigen Beschwerden führen. Bei der Anlage einer invasiven Sonde in den Tumor könnten allergische Reaktionen auf das Lokalanästhetikum, Blutung, Schmerzen, Infektionen, Nervenverletzungen als störende Nebenwirkungen auftreten.

Je nach Konzept wird die Hyperthermie ein- bis zweimal pro Woche angewendet in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zur Strahlentherapie und/oder Chemotherapie.

Die Behandlungszeit pro Applikation beträgt bei einer Hyperthermie 1,5 Stunden, wobei bei den Tiefenhyperthermien noch eine Vorbereitungszeit von 30 - 45 Minuten dazu kommt, um Blasenkatheter und die Temperaturmesssonden anzubringen. An diesen Tagen werden unsere Patienten teilstationär in unserer Radioonkologischen Tagesklinik aufgenommen. 


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Kontakt

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