Hirntumor

Zentrum für Neuroonkologie

E-Mail-Adresse: zno@med.uni-tuebingen.de

Kontaktformular

Der stille Feind

Im Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven können sehr verschiedene Tumorerkrankungen auftreten. Entweder entsteht dabei der Krebs direkt im Gewebe oder in den Hirnhäuten des Nervensystems (sogenannte primäre Tumore des Nervensystems), oder der Tumor entsteht durch Wanderung (sogenannter Metastasierung) von Krebszellen aus anderen Organen. Die primären Tumore des Nervensystems werden gemäß Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in verschiedene Schweregrade, sogenannten WHO-Grade unterteilt. Je nach Sitz des Tumors können verschiedenste Symptome auftreten.

Das Zentrum für Neuroonkologie (ZNO) des Universitätsklinikums Tübingen betreut Patientinnen und Patienten mit Tumoren des Nervensystems im gesamten Behandlungspfad also für Diagnostik, Behandlung und Verlaufskontrollen 

Mit jährlich über 600 neu diagnostizierten primären Tumoren, einem innovativen Behandlungsspektrum und enger lokaler, nationaler und internationaler Vernetzung gehört das Tübinger Team zu den führenden deutschen neuroonkologischen Zentren. 

MRT Hirn

Innovatives Behandlungsangebot

8.000
neu diagnostizierte primäre Tumore des Nervensystems pro Jahr in Deutschland
>120
verschiedene Typen von Hirntumoren unterscheidet die WHO
ca. 20-25%
aller Krebspatienten werden aktuellen Schätzungen zufolge im Laufe ihrer Krebserkrankung eine ZNS-Metastasierung erleiden

Was ist ein Hirntumor?

„Klinische Therapiestudien sind integraler Bestandteil einer neuroonkologischen Behandlung.“

Prof. Dr. Dr. Ghazaleh Tabatabai
Sprecherin des Zentrums für Neuroonkologie
Ärztliche Direktorin Neurologie mit Interdisziplinärem Schwerpunkt Neuroonkologie

frontend.sr-only_:

Gemäß aktuellen Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die am 17.01.2022 veröffentlicht wurden, gibt es über 120 verschiedene Arten von primären Hirntumoren. Sie unterscheiden sich durch ihre Gewebseigenschaften, molekularen Markern und durch ihre Wachstumsgeschwindigkeit. Die Diagnose bestimmt natürlich auch die zu erwartende Prognose und die Behandlungsstrategie. Grundlegend werden 4 Grade unterschieden, WHO ZNS-Grad 1-4, wobei mit steigendem WHO ZNS-Grad die Prognose ungünstiger ist.

Häufiger als die primären Hirntumoren sind die Hirnmetastasen, also Wucherungen von Krebszellen im Nervensystem, die von Krebserkrankungen außerhalb des Nervensystems stammen und in das Nervensystem einwandern. Hierbei unterscheiden wir Metastasen im Gewebe (sogenannten parenchymatöse ZNS-Metastasen) von Metastasen im Nervenwasser und den Hirnhäuten (sogenannten Meningeosis neoplastica).

Die wichtigsten Fragen

Die wichtigsten Fragen

Die Beschwerden können sehr vielfältig sein und auch unterschiedlich lange bestehen. Sie hängen in erster Linie von der genauen Lokalisation des Tumors ab. Epileptische Anfälle sind ein relativ häufiges Diagnose-weisendes Symptom.

Jedes ungeklärte neue neurologische Symptom muss sorgfältig untersucht werden. Dabei sind Hirntumore natürlich nur eine der möglichen Ursachen für die Beschwerden, daher ist eine sorgfältige neurologische Beurteilung wichtig.

Bereits die Diagnosestellung ist eine Team-Aufgabe: 

Wenn nach neurologischer Beurteilung basierend auf Krankheitsgeschichte, Beschwerden und klinischen Untersuchungsbefunde ein Verdacht für das Vorliegen einer Tumorerkrankung im Nervensystem besteht, ist die neuroradiologische Bildgebung, hier insbesondere eine Magnetresonanztomographie (MRT) der entscheidende nächste Schritt. Die klinischen Befunde und die MRT-Bilder werden im neuroonkologischen Tumorboard diskutiert. Anschließend erfolgt eine neurochirurgische Operation. Hierbei entscheiden die neurochirurgischen Expertinnen und Experten, ob eine Gewebeprobe (sogenannte Biopsie) oder eine Entfernung des gesamten sichtbaren Tumoranteils (sogenannten Resektion) sinnvoll ist. Nach der neurochirurgischen Intervention analysieren die neuropathologischen Expertinnen und Experten das Gewebe. Am Ende dieser Teilstrecke des Behandlungspfades bis hierher steht eine sogenannten „integrierte Diagnose“ nach WHO. Dies bedeutet, dass hier die Gewebeeigenschaften (sogenannten Morphologie) und die molekularen Eigenschaften zur Diagnosestellung beitragen.

Nein. Unter den > 120 verschiedenen primären Tumoren des Nervensystems gibt es auch viele langsam wachsende Tumoren, die als Zufallsbefunde auftreten und gar keine weitere Behandlung brauchen. Andere können direkt mit einer neurochirurgischen Entfernung geheilt werden.

Die postoperative Behandlung nach erfolgter Diagnosestellung ist der nächste Abschnitt des Behandlungspfades. Die Behandlungsstrategie hängt von der Diagnose ab und umfasst verschiedene Strategien. Diese können nur in Form engmaschiger klinischer und bildgebender Verlaufskontrollen (sogenanntes „watchful waiting“) erfolgen. Bei einigen Hirntumor-Arten sind Strahlentherapie und Chemotherapie notwendig. Einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Tumoren des Nervensystems, vor allem der aktuell noch unheilbaren Tumoren, leisten klinische Therapiestudien. Durch den Verbund der Zentren für Personalisierte Medizin können wir zudem unter bestimmten Voraussetzungen auch Biomarker-gestützte personalisierte Therapiestrategien anbieten. Es ist daher für Patientinnen und Patienten sehr wichtig, dass Diagnose und Behandlung in den Händen eines erfahrenden Teams liegen und in einem ausgewiesenen zertifizierten neuroonkologischen Zentrum erfolgen. So kann über das gesamte Therapiespektrum informiert werden und die bestmögliche Therapie zum richtigen Zeitpunkt angeboten werden.


Das kommt darauf an, welche Art von Tumor im Nervensystem vorliegt. Für viele besteht in der Tat ein Rückfallrisiko. Darüber werden die Patientinnen und Patienten ausführlich und verständlich informiert.

Ablauf einer Behandlung

1. Sprechstunde

Patienten, bei denen ein Verdacht auf einen Tumor des Nervensystems besteht, werden in der Regel ambulant umfassend untersucht.

2. Stationäre Aufnahme

In Abhängigkeit der Beschwerden des Patienten kann eine umgehende stationäre Aufnahme notwendig sein. 

Nach erfolgter Untersuchung und Beurteilung der Beschwerden und klinischen Befunde erfolgt die Weiterleitung an die Kolleginnen und Kollegen der Bildgebung.

3. Behandlung

Die jeweilige Behandlung hängt maßgeblich von der jeweiligen Diagnose ab. Die interdisziplinäre Tumorkonferenz ist das Herzstück des Abteilungs-übergreifenden Behandlungspfads. Hier werden alle Fakten und Befunden zusammengetragen und mit allen Expertinnen und Experten diskutiert. Es werden Empfehlungen erarbeitet, nach denen ein Patient optimal behandelt werden soll. Die behandelnde Fachabteilung ist dafür verantwortlich, dies mit Patientinnen und Patienten zu besprechen und die Behandlung durchzuführen.

4. Verlaufskontrollen

Bei allen Betroffenen erfolgen nach Abschluss der Therapie Verlaufskontrollen. Die Häufigkeit und die Abstände sind abhängig von der jeweiligen Diagnose und kann sehr unterschiedlich sein. Bei Tumordiagnosen mit einem hohen Rückfallrisiko sind die Abstände kürzer als bei anderen Tumordiagnosen. Diese Phase der Behandlung erfolgt in der Regel in einem sehr engen Netzwerk zwischen niedergelassener Ärzteschaft und Kliniken.

Unsere Erfahrung zeigt

Um allen Bedürfnissen der Betroffenen und ihren Herausforderungen auf bestmöglicher Weise gerecht zu werden, leben wir in unserem klinischen Arbeitsalltag eine orchestrierte Abteilungs-übergreifende vertrauensvolle und werte-orientierte interdisziplinäre Zusammenarbeit im Dienste der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Jede und jeder trägt mit ihrer und seiner Expertise bei, um in der Gesamtheit ein ganzheitliches Betreuungskonzept zu realisieren.

Tumoren des Nervensystems betrachten wir als Erkrankungen des Nervensystems, d.h. es geht uns nicht nur um die reine Tumortherapie, sondern um eine Therapie des gesamten Tumor(therapie)-assoziierten neurologischen Krankheitsbilds wie z.B. epileptische Anfälle, Kopfschmerzen, Polyneuropathie oder auch selteneren Symptomen wie der aseptischen Meningitis. Bei der Behandlung bislang unheilbarer Tumorarten im Nervensystem oder fortgeschrittenen Tumorstadien (wie z.B. der Meningeosis neoplastica) ist unseres Erachtens weder Nihilismus noch Aktionismus zielführend, sondern eine Evidenz- und Fakten-basierter bedarfsorientierte Therapiestrategie im Sinne der Betroffenen und ihrer Angehörigen:

Unheilbar heißt für uns nicht, dass es überhaupt keine Behandlungsoptionen gibt. Die Behandlungsziele formulieren wir gemeinsam und im Sinne der Betroffenen und ihrer Angehörigen. So steht der Erhalt der Patienten-berichteten und Patienten-erlebten Lebensqualität an oberster Stelle. Bei allen (prinzipiell) möglichen Optionen wägen wir gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen ab, welche Belastung und welcher Nutzen zu erwarten ist. Dies bedeutet, dass wir Aktionismus auch nicht zielführend finden. Durch diese Arbeitsweise werden unsere Patientinnen und Patienten zu aktiven Akteuren in ihrem eigenen Behandlungsteam.

Die moderne Medizin ist eine Teamaufgabe, so auch und vor allem in der Neuroonkologie. Auf lokaler Ebene am Universitätsklinikum Tübingen erreichen wir die Schwarmintelligenz durch die Abteilungs-übergreifende Zusammenarbeit im ZNO. Mit den zuweisenden Kolleginnen und Kollegen in der Region, v.a. den Kolleginnen und Kollegen in den Praxen oder in den Lehrkrankenhäusern arbeiten wir gemeinsam in einem engen Versorgungs-Netzwerk. In den nationalen und internationalen Fachgesellschaften, Netzwerken und Konsortien wie z.B. der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA), der europäischen Organisation für die Erforschung Behandlung von Tumorerkrankungen (EORTC) oder der amerikanischen Neuroonkologie-Gesellschaft (SNO), sind wir als Akteur und starker verlässlicher Partner aktiv, um das Fachgebiet gemeinsam weiter zu entwickeln.

Prof. Dr. Dr. Ghazaleh Tabatabai

Ärztliche Direktorin
Neurologische Universitätsklinik

frontend.sr-only_:

Portraitfoto

Prof. Dr. med. Karim-Maximilian Niyazi

Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Radioonkologie

frontend.sr-only_:

Prof. Dr. Ulrike Ernemann

Ärztliche Direktorin
Abteilung Neuroradiologie

frontend.sr-only_:

Prof. Dr. Manuela Neumann

Ärztlicher Direktor
Abteilung Neuropathologie

frontend.sr-only_:

Prof. Dr. Marcos Tatagiba

Ärztlicher Direktor
Klinik für Neurochirurgie

frontend.sr-only_:

> 600 neuroonkologische Primärfälle pro Jahr
Durchschnittlich 15-20 % Behandlung in klinischen Therapiestudien Phase I-III
> 3000 ambulante Patientinnen und Patienten pro Jahr
Biomarker-gestützte personalisierte Therapie

Kontaktieren Sie uns

Anrede *
Name *
E-Mail *
Telefon
Anfrage *

Zentrum für Neuroonkologie

frontend.sr-only_#{element.contextual_1.children.icon}: Hoppe-Seyler-Str. 3
72076 Tübingen


frontend.sr-only_#{element.contextual_1.children.icon}: 07071 29-83266


E-Mail-Adresse: zno@med.uni-tuebingen.de