Das PupilPanda-Projekt entstand aus einer Reihe von Studien, die untersuchten, wie wahrnehmungsbasierte Reize zur Erforschung der Sehfunktion auf verschiedenen physiologischen Ebenen eingesetzt werden können. Die Arbeit basiert auf Untersuchungen der Panda-Illusion, eines visuellen Reizes, der auf dem Prinzip der Pulsweitenmodulation beruht. Wir konnten zeigen, dass die Illusion vom visuellen System durch räumliche Tiefpassfilter dekodiert wird. Dies erklärt, warum eine reduzierte visuelle Auflösung die Sichtbarkeit des eingebetteten Pandas verbessern kann (Straßer et al., Scientific Reports, 2020). Diese Wahrnehmungseigenschaft stellte einen direkten Zusammenhang zwischen der Erkennbarkeit der Illusion und der Ortsfrequenz her.
Aufbauend auf diesem Konzept wurde die Illusion zunächst als Instrument zur Bestimmung der Sehschärfe evaluiert. Es zeigte sich, dass die Erkennbarkeitsschwellen systematisch mit der Ortsfrequenz und der Unschärfe variieren. Dies ermöglicht die Schätzung der funktionellen Sehschärfe mithilfe eines wahrnehmungsbasierten Reizes anstelle herkömmlicher Optotypen (Kelbsch et al., British Journal of Ophthalmology, 2023). Diese Ergebnisse etablierten die Panda-Illusion als kontrollierbare Sonde der visuellen Auflösung.
Im nächsten Schritt wurde das Paradigma von der Psychophysik auf die objektive Elektrophysiologie erweitert. In der Studie „Seeing the Panda“ wurde die Illusion in ein visuelles Oddball-Design eingebettet, um sowohl visuell evozierte Potenziale (VEP) als auch P300-Reaktionen auszulösen (Nikolaidou & Strasser, ISCEV 2025 Konferenz). Dieser Ansatz ermöglichte die simultane Untersuchung der frühen sensorischen Verarbeitung und der kognitiven Bewertung des Stimulus auf höherer Ebene. Die Ergebnisse zeigten, dass die Amplituden von VEP und P300 mit optischer Unschärfe und Ortsfrequenz kovariieren. Dies stützt die Annahme, dass refraktive und kognitive Aspekte der Sehschärfe in einem einheitlichen neuronalen Rahmen erfasst werden können. Nach dem Nachweis robuster kortikaler Effekte wurde das Paradigma auf die Pupillographie erweitert. In der Studie „Your pupil knows better: Functional Pupillography with the Panda Illusion“ (Nikolaidou, Schedel & Strasser, ARVO 2026 Konferenz) rief die Illusion zuverlässig ereigniskorrelierte Pupillenreaktionen hervor. Bemerkenswerterweise wichen die Pupillenerweiterungsmuster von den durch Tastendruck erfassten Reaktionen ab. Dies deutet darauf hin, dass autonome Reaktionen der reizgesteuerten Wahrnehmungsverarbeitung folgen, selbst wenn die bewusste Wahrnehmung inkonsistent ist. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Pupillendynamik ein zusätzliches, objektives Fenster zur visuellen Verarbeitung bietet.
Vorarbeiten:
- Straßer, T., Kurtenbach, A., Langrová, H. et al. The perception threshold of the panda illusion, a particular form of 2D pulse-width-modulated halftone, correlates with visual acuity. Sci Rep 10, 13095 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-69952-6
- Kelbsch C, Spieth B, Zrenner E, et alPandAcuity in paediatrics: a novel clinical measure of visual function based on the panda illusionBritish Journal of Ophthalmology 2023;107:582-586.