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Gebärmutterhalskrebs Allgemeines

Ratgeber Gynäkologische Onkologie: 

Gebärmutterhalskrebs

Weltweit steht der Gebärmutterhalskrebs (medizinisch: Zervixkarzinom) bei den Krebserkrankungen der Frau und im Bereich der Gynäkologischen Onkologie an 2. Stelle, in Deutschland dank seit 1971 durchgeführter Früherkennung auf Rang 11. Dennoch erkranken
in Deutschland jährlich nach Daten des Robert-Koch-Institutes ca. 6.500 Frauen und fast 1.700 versterben im Jahr daran.

Gebärmutterhalskrebs ist eine Erkrankung, die bereits bei jüngeren Frauen auftritt. Oft wird die Erkrankung im Alter zwischen 35 und 39 Jahren erkannt.

Aufgrund der besseren Diagnostik (z.B. Pap-Abstrich) ist in den letzten zehn Jahren die Erkrankungsrate und die Zahl der
schweren Verläufe der Erkrankung zurückgegangen.
Vorstufen des Zervixkarzinoms haben 

Jede 14. Frau ist bei der Diagnose sogar jünger als 30 Jahre!

In der Gebärmutter können zwei verschiedene Gruppen bösartiger Tumoren entstehen:

  • 1. in der Gebärmutter selbst = Gebärmutterkrebs
    (medizinisch: Corpus- oder Endometriumkarzinom)
    Das Gebärmutterkarzinom tritt am häufigsten nach der Menopause auf, es betrifft also vorwiegend ältere Frauen zwischen 55 und 60 Jahren.
  • 2. im Gebärmutterhals = Gebärmutterhalskrebs
    ( medizinisch: Zervixkarzinom)
    Da der Gebärmutterhalskrebs am scheidennahen Ende der Gebärmutter lokalisiert ist, ist er bei der frauenärztlichen Untersuchung frühzeitig erkennbar.

Es gilt heute als gesichert, dass eine Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) eine notwendige Voraussetzung für die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs ist.
Diese Virusinfektion wird meist durch Geschlechtsverkehr übertragen.
Dauert eine HPV-Infektion über einen längeren Zeitraum an, erhöht sich das Risiko für auffällige Veränderungen am Gebärmutterhals. Vom Zeitpunkt der Infektion bis zur Krebserkrankungen können 10 bis 15 Jahre vergehen. In seltenen Fällen kann es aber auch zu einem raschen Verlauf kommen.
Das Virus kann bei andauernder Infektion Zellveränderungen im Gebärmutterhals verursachen. Zunächst sind diese Veränderungen noch häufig rückbildungsfähig, aber mit der Zeit sinkt diese Wahrscheinlichkeit, so dass die infizierte Zelle(n) zur Krebszelle wird.
Vom Beginn der HPV-Infektion bis zur Entstehung von Krebs durchlaufen die Zellen verschiedene Vorstufen, die als abnorme Zellveränderungen durch einen Pap-Test bei der Krebsfrüherkennungsuntersuchung erkannt werden können. Abhängig vom Grad der Zellveränderungen, die in dem Abstrich gefunden werden, sind wiederholte Kontrolluntersuchungen, Gewebeuntersuchungen oder die Entfernung des veränderten Gewebes erforderlich.


Stadieneinteilung

Die Gewebeuntersuchungen dienen dazu, das Ausmaß der veränderten Zellen im Gewebeverband zu untersuchen. Bei einer Biopsie wird ein kleines Stück Gewebe entnommen, um es gezielt zu untersuchen. Je nachdem wie weit fortgeschritten, die Gewebeveränderungen sind, unterscheiden die Ärzte folgende Stadien der zervikalen intraepithelialen Läsionen (abgekürzt CIN engl. cervical intraepithelial lesion).

  • CIN I: leichte Dysplasie
  • CIN II: mäßiggradige Dysplasie
  • CIN III: schwerwiegende Dysplasie oder In-situ Karzinom

Bei CIN I-II kommt es häufig zu einer spontanen Rückbildung der verdächtigen Zellveränderungen, bei CIN III nur noch bei 20% der Patientinnen.
Von einem invasiven Gebärmutterhalskarzinom spricht man, wenn die Krebszellen aktiv den Gewebeverband verlassen und in umliegendes Gewebe einwandern.

Humane Papillomviren (HPV) sind Hauptverursacher

Als wichtigste Ursache für die Entstehung eines Zervixkarzinoms hat sich eine Infektion mit bestimmten Typen der humanen Papillomavirus (HPV) herausgestellt. Diesen Zusammenhang belegten Heidelberger Wissenschaftler bereits in den 80er Jahren. So können in über 99% der Fälle von Gebärmutterhalskrebs HP-Viren nachgewiesen werden. Dabei sind die Hoch-Risiko-HPV-Typen HPV 16 und HPV 18 allein für rund 70 Prozent aller Zervixkarzinom-Erkrankungen verantwortlich. Die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs ohne Beteiligung dieser Viren gilt als nahezu ausgeschlossen.Die HPV-Übertragung im genitalen Bereich erfolgt hauptsächlich über den Geschlechtsverkehr. Gerade wenn die sexuelle Aktivität früh aufgenommen wird, scheint das Gewebe am Gebärmutterhals besonders empfänglich für eine Infektion zu sein. Werden die Sexualpartner, vor allem bei einem ungeschützten Verkehr, häufig gewechselt, steigt auch das Risiko sich zu infizieren. Die Infektion mit HPV ist die häufigste sexuell übertragbare Viruserkrankung. Da die Viren weit verbreitet sind, ist eine HPV-Infektion eine normale Konsequenz sexueller Aktivität. Rund 70 % aller Frauen und Männer infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HPV, in der Regel ohne es je zu bemerken. Bei ca. 20% können Zellveränderungen im Gebärmutterhals entstehen. Aus ca. 2-8% der Infektionen entwickelt sich dabei über viele Jahre hinweg über Vorstufen ein Zervixkarzinom. Die Ansteckung mit HPV erfolgt in der Regel über Hautkontakte (abgeschilferte Haut- und Schleimhautzellen) im Genitalbereich. Da Kondome nicht den gesamten Genitalbereich abdecken könne, bieten sie keinen hundertprozentigen Schutz vor der Infektion. Trotzdem können sie das Risiko einer HPV-Infektion zumindest verringern und schützen zudem vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Frauen aus niedrig sozioökomischen Verhältnissen erkranken dagegen häufiger an einem Zervixkarzinom. Dabei wird eine frühe erste Schwangerschaft und eine seltenere Teilnahme an einer Krebsvorsorge als Tumor-begünstigend angesehen.

Insgesamt sind mehr als 130 HPV-Typen bekannt, die in drei Gruppen untergliedert werden:

  • HP-Viren, die Geschlechtsorgane und After infizieren und zu Gebärmutterhalskrebs führen können
      (Hoch Risiko HPV-Typen, HPV 16, HPV 18)
  • HP-Viren, die Geschlechtsorgane und After infizieren und zu gutartigen Genitalwarzen führen können, aber nicht oder selten in Gebärmutterhalskarzinomen vorkommen
    (Niedrig Risiko HPV-Typen, z.B. HPV 6, HPV 11)
  • HP-Viren, die Infektionen der Haut verursachen und zur Warzenbildung führen können (z. B. Steckwarzen, Plantarwarzen)

Die Mehrzahl der HPV-Infektionen (>90%) bleibt unbemerkt und heilt von selbst aus, ohne Symptome oder Probleme zu verursachen. Nur in einigen wenigen Fällen bleibt die Infektion bestehen und kann über mehrere Stufen zu Gebärmutterhalskrebs führen.
Papillomviren können auch den äußeren Genitalbereich und die Scheide befallen und, seltener als beim Gebärmutterhalskrebs, zu Krebserkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane, wie Vulva (?Scham?) oder Penis führen. In Einzelfällen begünstigen HPV-Infektionen die Entwicklung von Analkarzinomen und auch bösartiger Tumoren des Mund- und Rachenraums beschrieben.


Weitere Risikofaktoren

Epidemiologischen Studien zufolge haben Frauen mit frühem erstem Geschlechtsverkehr, Geburten in jungem Alter und einer großen Anzahl natürlich geborener Kinder ein leicht erhöhtes Risiko für die Erkrankung.
Bei Frauen mit einem geschwächten Immunsystem heilen HPV-Infektionen oft nicht von selbst aus. 

Infolge dessen wird Gebärmutterhalskrebs besonders häufig nachgewiesen bei:

  • Frauen mit HIV-Infektion und AIDS
  • Frauen, die Medikamente zur Immunsuppression nehmen, z. B. nach Organtransplantationen

Raucherinnen haben im Vergleich zu Nichtraucherinnen ebenfalls ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Schadstoffe im Zigarettenrauch, die in den Körper gelangen, scheinen die Bekämpfung von HPV-Infektionen durch das Immunsystem zu stören.

Aufgrund der langsamen Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs sind die Chancen der Früherkennungsuntersuchung besonders hoch. So können fast alle Gebärmutterhalskrebserkrankungen verhindert werden, wenn sie im Stadium der Vorstufen erkannt werden. Diese Vorstufen lassen sich meist mit einfachen und wirksamen Methoden erfolgreich behandeln. Da eventuelle Veränderungen ohne Symptome oder Schmerzen auftreten, ist die Früherkennungsuntersuchung die einzige Möglichkeit, diese rechtzeitig aufzuspüren.


1. Der PAP-Test (Zervikaler Abstrich)

Die zurzeit wichtigste Früherkennungsuntersuchung für Gebärmutterhalskrebs ist die mikroskopische Untersuchung eines Zellabstrichs vom Gebärmutterhals.
Diese Methode wurde von dem griechischen Arzt Georges Papanicolaou bereits Ende der 1920er-Jahre in den USA entwickelt und ermöglicht den Nachweis von Zellveränderungen, die sich zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln können.
Allerdings ist ein auffälliger Pap-Test nicht unbedingt ein Zeichen für Krebs. Sollte der Arzt veränderte Zellen feststellen, wird er möglicherweise die natürliche Entwicklung zunächst abwarten. Sind die Veränderungen schwerwiegender, kann es erforderlich sein, sie durch einen chirurgischen Eingriff zu entfernen.

Das Erscheinungsbild der untersuchten Zellen wird in Deutschland nach der Münchner Nomenklatur II beurteilt, das fünf 
Befundgruppen - Pap I bis V - unterscheidet:

  • Pap I und Pap II bedeuten unauffälliger Befund, Routinekontrolle in einem Jahr. Bei Pap II bedeuten die Zusätze "k" oder "w", dass leichte Veränderungen vorhanden sind und der Abstrich innerhalb 3-6 Monate kontrolliert werden muss
  • Pap III und Pap III D bedeuten, dass es sich um Veränderungen handelt, die entweder eine eindeutige Beurteilung nicht zulassen (Pap III) oder im Fall von Pap IIID leichten bis mittelgradigen Zellveränderungen entsprechen (Dysplasien, CIN I/II). Hier müssen Abstrichkontrollen bei genauerer Untersuchung des Gebärmutterhalses unter Verwendung einer Lupenvergrößerung (Kolposkopie) und eventuell weitere Untersuchungen zur feingeweblichen Abklärung (gezielte Biopsie, evtl. Konisation) folgen.
  • Pap IV und V bedeuten höhergradige Veränderungen. Hier muss möglichst zeitnah eine Kolposkopie mit feingewebliche Abklärung erfolgen, um so eine entsprechende Therapie einzuleiten.


Münchner NomenklaturBefundEmpfehlung
Pap INormales Zellbild, es wurden keine veränderten Zellen gefundenRoutine-Kontrolle
Pap IIAnomale und entzündliche, aber nicht schwerwiegend veränderte ZellenIn der Regel findet die nächste Kontrolle im Rahmen der jährlichen Früherkennungsuntersuchung statt. Sind bei Pap II die Veränderungen etwas ausgeprägter, so kann eine Entzündungsbehandlung oder hormonelle Behandlung mit einer anschließenden Kontrolluntersuchung des Muttermunds durchgeführt werden.
Pap IIw, manchmal auch Pap IIk (inoffizielle, aber häufig benutzte Klassifizierung)

"w" steht für wiederholen
"k" steht für Kontrolle
Beinhaltet meist unzureichende Abstriche, die für eine Beurteilung nicht ausreichen sowie Abstriche mit Zellveränderungen, die zwar nicht als definitiv abnorm, aber auch nicht als normal eingestuft werden könnenErneuter Abstrich in 3-6 Monaten
Pap IIIUnklarer Befund:
  • Schwere entzündliche oder degenerative Veränderung, die eine Beurteilung zwischen gut- und bösartig nicht zulässt
  • Auffällige Drüsenzellen, die eine Beurteilung zwischen gut- und bösartig nicht zulassen, ein Karzinom ist also nicht sicher auszuschließen
Je nach klinischem Befund kurzfristige zytologische Kontrolle und/oder histologische Abklärung in 1 Monat
Pap IIDZellveränderungen (Dysplasien) leichten bis mäßigen Grades (CIN I bis II); keine Krebszellen, es können sich aber Krebsvorstufen (Carcinoma in situ) aus ihnen entwickelnErneute Abstrichuntersuchung und eine Kolposkopie in drei Monaten.
Pap IVaHochgradig veränderte Zellen (schwere) Dysplasienbsp;Kolposkopie mit histologischer und zytologischer Konisation
Pap IVbZellveränderungen, die einer schweren Dysplasie entsprechen oder einem Carcinoma in situ (noch nicht in die Umgebung infiltrierendes Karzinom, Krebsvorstufe), invasives Karzinom nicht auszuschließenErneute Abstrichuntersuchung und eine Kolposkopie sowie histologische Klärung
Pap VVeränderte Zellen eines invasiven Zervixkarzinoms oder eines anderen invasiven TumorsHistologische Klärung


2. Test zum Nachweis von Humanen Papillomviren (HPV-Test)

Mit neuen Testverfahren ist es möglich, Virus-DNA oder -RNA im Abstrichmaterial nachzuweisen.
Kann HPV-DNA nachgewiesen werden, ist das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken erhöht. Ist der HPV-Test negativ, ist das Risiko für die Entwicklung einer Erkrankung in den nächsten Jahren gering.


In Deutschland ist der Einsatz des HPV-Test derzeit in folgenden Situationen empfohlen:

  • als Folgeuntersuchung bei Frauen mit unklarem oder länger anhaltend auffälligem Pap-Test
  • als Folgeuntersuchung bei Frauen nach Behandlung von Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen.


Zur Abklärung grenzwertiger Befunde
Ergibt der Pap-Abstrich einen grenzwertigen Befund, z.B. Pap IIw oder Pap III, ist eine weitere Abklärung notwendig. Bei einigen Frauen mit diesem Befund liegt bereits eine Krebsvorstufe vor. Diese Frauen lassen sich mit einem HPV-Test zuverlässiger identifizieren, als mit einem erneuten Pap-Abstrich. Auf den HPV-Test verzichten sollte man dagegen, wenn der Abstrich einen Pap VIa oder mehrfach wiederholt Pap IIID ergibt. Dann ist grundsätzlich eine Kolposkopie mit feingeweblicher Untersuchung zu empfehlen.


Therapiekontrolle nach Behandlung von Gebärmutterhalskrebs-Vorstufen durch Konisation
Nach einer erfolgreichen Entfernung von verdächtigem Gewebe durch Konisation kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass keine Gefahr mehr besteht, Gebärmutterhalskrebs zu entwickeln. Jedoch werden auch nach der Behandlung bei 10 bis 15 Prozent der Frauen weiterhin oder erneut auffällige Befunde festgestellt. Da man weiß, dass 12 Monate nach einer erfolgreichen Konisation kein HPV mehr nachweisbar sein sollte, kann der Test helfen, diejenigen Frauen herauszufinden, die besonders sorgfältig nachuntersucht werden müssen.


Der HPV-Test zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung
Weil sich kein Gebärmutterhalskrebs ohne eine HPV-Infektion entwickelt, kann ein HPV-Test dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko besser einzuschätzen: Ist bei einer Frau keine HPV-Infektion nachzuweisen, besteht ein sehr geringes Erkrankungsrisiko. Ist sie mit HPV infiziert und bleibt die Infektion über mehr als ein Jahr bestehen, hat sie ein höheres Risiko und sollte engmaschiger kontrolliert werden.
Allerdings ist eine Infektion mit HPV vor allem bei jungen Frauen sehr häufig und verschwindet normalerweise von selbst wieder. Aus diesem Grund ist ein HPV-Test bei Frauen unter 30 Jahren nicht sinnvoll ist: Es würden dabei zu viele vorübergehende Infektionen gefunden, die kein Erkrankungsrisiko bergen.
In Deutschland wird der HPV-Test nicht als Standardtest im Rahmen der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennungsuntersuchung durchgeführt, jedoch unter Studienbedingungen. In manchen anderen Ländern wird er in Kombination mit zytologischer Untersuchung empfohlen.


Was kostet der HPV Test und wer bezahlt ihn?
Zur Abklärung eines unklaren zytologischen Befundes und zur Therapiekontrolle nach Konisation wird der HPV-Test von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.
Wird der HPV-Test dagegen als zusätzliche Untersuchung zum herkömmlichen Pap-Abstrich bei der Früherkennungsuntersuchung gewünscht, handelt es sich meist um eine individuelle Gesundheitsleistung, für die die Patientinnen selbst aufkommen müssen. Die Kosten liegen bei ca. 60,00 bis 80,00 Euro.

Der Gebärmutterhalskrebs verursacht keine Frühsymptome. Eine unregelmäßige Blutung, insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr (so genannte Kontaktblutung), ein übel riechender blutiger Ausfluss oder unklare Bauch- und Kreuzschmerzen sind schon späte Hinweise auf das Zervixkarzinom.

Erst wenn der Tumor weit fortgeschritten ist, in die Harnblase wächst oder bis an die Beckenwand, können weitere, markante Beschwerden hinzutreten: z.B. blutiger Urin, Harnwegsinfekte oder Rückenschmerzen infolge einer Nierenstauung.

Wegen der fehlenden Frühsymptome ist die jährliche Krebsvorsorge ab dem 20. Lebensjahr unverzichtbar. Aufgrund der langsamen Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs sind die Chancen der Früherkennungsuntersuchung besonders hoch. So können fast alle Gebärmutterhalskrebserkrankungen verhindert werden, wenn sie im Stadium der Vorstufen erkannt werden. Da eventuelle Veränderungen ohne Symptome oder Schmerzen auftreten, ist die Früherkennungsuntersuchung die einzige Möglichkeit, diese rechtzeitig aufzuspüren.

Die frauenärztliche "Krebsvorsorge" kann jede Frau in Deutschland ab dem Alter von 20 Jahren einmal im Jahr kostenlos in Anspruch nehmen

Zur Früherkennung wird beim Frauenarzt die Portio (Abschnitt des Gebärmutterhalses in der Scheide) angesehen, abgetastet und es werden durch einen schmerzfreier Abstrich am Gebärmutterhals Zellen entnommen und mikroskopisch untersucht.
Mit dieser Methode können die meisten Vorstadien der Zervixkarzinome entdeckt und einer Therapie zugeführt werden.
Pap-Test


Ergibt die Früherkennung den Verdacht auf ein Zervixkarzinom, wird eine Kolposkopie durchgeführt
und Gewebeproben entnommen, um den Grad der Bösartigkeit zu beurteilen.
Bei unklarem Untersuchungsbefund wählt er eine diagnostische Konisation.
Unter Konisation versteht man die Entnahme einer konusförmigen Gewebeprobe aus der Portion.

Liegt tatsächlich Gebärmutterhalskrebs vor, folgen weitere Untersuchungen, 
um die Ausbreitung des Tumors abzuschätzen, u.a.:

  • Ultraschall von Unterbauch und Oberbauch sowie durch die Scheide
  • Computertomographie oder Magnetresonanztomographie vom Bauch
    (Beurteilung von Lymphknoten und zur Stadieneinteilung)
  • Röntgen der Lunge und des Beckens
  • Ggf. Spiegelung von Darm und Blase

Mit Hilfe dieser Untersuchungen können folgende Punkte geklärt werden:

  • Wie tief ist das Karzinom ins Gewebe eingedrungen ist (Infiltrationstiefe)?
  • Sind Lymphknoten befallen?
  • Sind umliegende Organe befallen? Welche (Gebärmutter, Scheide, Bindegewebe des Beckens, Beckenwand, Blase)?
  • Liegen Fernmetastasen (z. B. in Lunge oder Knochen) vor?

Abwarten

Bei den Vorstadien kommt es auf den Grad der Veränderung an. Leichte Unregelmäßigkeiten (CIN I, CIN II, bzw. PapII, PapIIID) bilden sich in mehr als 50% der Fälle spontan zurück. Bis zur Ausheilung reichen engmaschige, regelmäßige Abstrichkontrollen und die Betrachtung der Portio unter einer speziellen Lupe (Kolposkopie (Bild Kolposkopie)) aus. Werden während der Kolposkopie verdächtige Befunde am Gebärmutterhals aufgefunden, wird der Arzt unter Umständen eine schmerzfreie, kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen. Ist der veränderte Bereich nur schwer einzusehen, kann zur Gewinnung von Gewebeproben eine Ausschabung des Gebärmutterhalses (Kürettage) erfolgen. Mit Hilfe der Ergebnisse dieser Biopsie oder Kürettage kann dann eine genauere Diagnose gestellt werden.


Operative Therapie

In frühen Stadien der Erkrankung (CIN I, CIN II bzw. PapIIID) wird versucht, so wenig Gewebe wie möglich, aber so viel wie nötig zu entfernen. Auf diese Weise kann eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Die Behandlung dieser Krebsvorstufen ist meist recht unkompliziert, sehr erfolgreich und hat keine negativen Auswirkungen auf die Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, die alle sehr effektiv sind.

Konisation
Bei einer Konisation wird der auffällige Bereich als kegelförmiger Ausschnitt operativ aus dem Gebärmutterhals entfernt. Eine Konisation kann mit Hilfe eines Hochfrequenzschlingenabtragung (Loop-Exzision, LEEP, LLETZwerden.
Bei dieser relativ unkomplizierten Methode wird das Gewebe im Bereich der Zellveränderungen mit einer dünnen Drahtschlinge, durch die ein hochfrequenter elektrischer Strom fließt, abgetragen. Die Hochfrequenzschlingenabtragung kann ambulant werden, meist mit einer Kurznakrose.
Bei einem sehr frühen Krebsstadium (Durchmesser kleiner als 2 cm und ohne zusätzliche Risikofaktoren) und bei Kinderwunsch ist die so genannte Trachelektomie eine Option.

Bei der Trachelektomie werden zwei Drittel des Gebärmutterhalses und die innere Hälfte des Halteapparates der Gebärmutter entfernt, der Gebärmutterkörper und der innere Muttermund bleiben aber erhalten. Kombiniert wird das Verfahren mit der Entfernung der Beckenlymphknoten mittels einer Bauchspiegelung.
In weiter fortgeschrittenen Stadien sollte jedoch die Gebärmutter mitsamt des anhängenden Bandapparates und des oberen Scheidenanteils sowie Lymphknoten aus dem Becken (Wertheim-Meigs-Operation) entfernt werden. Wie viel Gewebe entfernt werden muss, hängt von der Ausdehnung des Tumors ab. Bei älteren Frauen oder auffälligen Befunden am Eierstock werden meist auch die Eierstöcke entfernt.

Wenn sich der Tumor außerhalb der Zervix oder der weiblichen Organe ausgebreitet hat, wird möglicherweise der hintere Dickdarm, der Mastdarm oder die Blase (je nachdem, wohin sich der Krebs ausgebreitet hat) zusammen mit Zervix, Gebärmutter und Scheide entfernt. Dies nennt man eine "Exenteration".


Bestrahlung kombiniert mit eine Chemotherapie, sog. Radiochemotherapie

Die Radiochemotherapie stellt neben der Operation auch als Therapiemöglichkeit zur Verfügung. Das Therapieergebnis ist bei beiden Verfahren vergleichbar. In frühen Krebsstadien wird jedoch meist die Operation bevorzugt, weil so die genaue Größe und Ausdehnung des Tumors bestimmt werden kann, und außerdem die Funktionsfähigkeit der Eierstöcke bewahrt werden kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Strahlentherapie:

  • Kontaktbestrahlung
  • Perkutane Hochvoltbestrahlung

Bei der Kontaktbestrahlung wird die Strahlenquelle kurzfristig in die Gebärmutter und die Scheide eingebracht. Dadurch entstehen vor Ort sehr hohe Strahlendosen, die das befallene Gewebe abtöten. Durch die Entfernung werden die umliegenden Organe jedoch nicht so stark belastet. Eine Kontaktbestrahlung wird in der Regel einmal wöchentlich durchgeführt.
Die Kontaktbestrahlung kann durch eine perkutane Hochvoltstrahlung ergänzt werden. Dabei wird - abhängig vom Befall (beispielsweise mehrmals pro Woche) - eine Bestrahlung durch die Haut vorgenommen.
Der Nachteil der Bestrahlung liegt vornehmlich darin, dass die Funktion der Eierstöcke durch den Strahleneinfluss beeinträchtig wird oder verloren geht. Außerdem wird die Schleimhaut der Scheide stark beschädigt, so dass nach einer Heilung Beeinträchtigungen des Sexuallebens, z. B. durch Trockenheit der Scheide, sehr häufig auftreten

Vorstufen zum Zervixkarzinom lassen sich in nahezu 100% der Fälle heilen. Auch im sehr frühen Tumorstadium gibt es sowohl beim operativen Vorgehen als auch einer alleinigen Radiochemotherapie eine Heilungschance (mindesten 5 Jahre nach Diagnose ohne Tumor) von 85-90%. Hat der Tumor allerdings bereits die Beckenwand erreicht, so sinkt die Heilungschance auf ca. 30-40% ab. Ganz schlechte Prognose haben Frauen mit Fernmetastasen oder mit Beteiligung von Nachbarorganen.


1.-3. Jahr alle 3 Monate4.-5. Jahr alle 6 Monate
Anamnese über SymptomeBei jeder KontrolleBei jeder Kontrolle
Klinische UntersuchungBei jeder Kontrolle
Bei jeder Kontrolle
AbstricheBei jeder Kontrolle
Bei jeder Kontrolle
Vaginalultraschall6-monatlichJährlich
Ultraschall (Oberbauch, Nieren) 6-monatlich
Jährlich
Brustdiagonistik (Mammographie/-sonographie)Jährlich
Jährlich
TumormarkerNicht in der RoutlinieNicht in der Routlinie
Sonstige BildgebungBei klinischem VerdachtBei klinischem Verdacht

Prävention durch HPV-Impfung

Zwei HPV-Impfstoffe wurden entwickelt, die beide vor einer Infektion mit den zwei häufigsten Krebs verursachenden HPV-Typen (HPV 16 und 18) schützen. HPV 16 und HPV 18 sind zusammen für etwa 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs und ebenfalls für einen großen Teil der Krebsvorstufen verantwortlich. Die Ergebnisse klinischer Studien mit den beiden Impfstoffen sind vielversprechend: So konnten 90 bis 100 Prozent der anhaltenden Infektionen mit HPV 16 und HPV 18, gegen die die Impfstoffe schützen, sowie 100 Prozent der durch diese HPV-Typen verursachten Krebsvorstufen konnten verhindert werden. Außerdem waren beide Impfstoffe sehr gut verträglich: Es wurden keine ernsthaften Nebenwirkungen beobachtet.

Auch in Zukunft wird die HPV-Impfung das Gebärmutterhalskrebs-Screening nicht ersetzen können. Zwar schützen die neuen Impfstoffe sicher vor den häufigsten krebsverursachenden HPV-Typen 16 und 18. Allerdings können sie durch andere HPV-Viren verursachte Krebsvorstufen und Krebserkrankungen ? das sind immerhin 30% - nicht oder nicht zuverlässig verhindern. Deshalb sind die üblichen Früherkennungsuntersuchungen weiterhin notwendig, um Frauen auch vor den möglichen Folgen von Infektionen mit anderen krebsverursachenden HP-Viren zu schützen.

Beide Impfstoffe wirken nur vorbeugend. Eine bestehende Infektion mit HPV16 oder HPV18 kann durch die Impfung nicht beseitigt werden. Aus diesem Grund sollten zunächst junge Menschen vor Beginn der sexuellen Aktivität geimpft werden, da aufgrund der weiten Verbreitung der Viren, eine Ansteckung bereits beim ersten Geschlechtsverkehr erfolgen kann.

Der beste Zeitpunkt für die Impfung liegt vor Beginn der sexuellen Aktivität, weil Infektionen mit HPV so häufig sind und davon auszugehen ist, dass viele Personen schon bei den ersten sexuellen Kontakten mit diesen Viren in Berührung kommen. Wenn schon eine Infektion mit HPV 16 oder 18 stattgefunden hat, ist davon auszugehen, dass nicht mehr der volle mögliche Impfschutz erreicht wird. Dies könnte man sicherstellen, indem man Mädchen (und Jungen) bereits vor Beginn der Pubertät impft.

Einer der beiden Impfstoffe schützt zusätzlich vor Infektionen mit HPV 6 und HPV 11, die für zirka 90 Prozent der Genitalwarzen (Condylomata acuminata) verantwortlich sind. Dabei handelt es sich um gutartige Tumore, die jedoch als sehr unangenehm empfunden werden. Ihre Therapie kann langwierig und schmerzhaft sein.

Weiterführende Informationen

Gebärmutterhalskrebs Zervita

Im September 2006 ergriff der Tübinger Virologen Professor Thomas Iftner die Initiative und gründete zusammen mit dem Institut für Frauengesundheit Baden-Württemberg, dem Deutschen Grüne Kreuz e.V. und dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums die Projektgruppe ZERVITA. In dieser Aufklärungskampagne gegen Gebärmutterhalskrebs haben sich 20 Vertreter engagierter wissenschaftlicher Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Krebsorganisationen gemeinsam dem Ziel verpflichtet, qualitativ hochwertige und vor allem einheitliche Informationen zu diesen Themen zu entwickeln und über alle Medien breit zugänglich zu machen. Alle Mitglieder stammen aus dem Bereich der Prävention, Früherkennung, Diagnose und Behandlung des Zervixkarzinoms.

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