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Kognitive Neuropsychiatrie

Die Kognitive Neuropsychiatrie ist eine verhältnismäßig neue Forschungsrichtung der Psychologie und Psychiatrie. Sie befasst sich mit den Ursachen von psychiatrischen Symptomen und psychopathologischen Phänomenen, insbesondere mit deren neuronalen Grundlagen. Kognitive Neuropsychiatrie beschäftigt sich auch mit normalpsychologischen Vorgängen und ihren Veränderungen bei psychiatrischen Erkrankungen.

Die Tübinger Arbeitsgruppe kognitive Neuropsychiatrie beschäftigt sich mit Grundlagenforschung zu Emotionen (wie etwa dem Gefühl der Erheiterung), Persönlichkeitseigenschaften (wie etwa dem "Sinn für Humor") und psychiatrischen Symptomen (wie etwa formalen Denkstörungen).Schwerpunkt sind derzeit Untersuchungen zur "funktionellen Neuroanatomie", also zur Frage, welche Gehirnregionen für bestimmte psychopathologische Symptome oder Persönlichkeitseigenschaften besonders bedeutsam sind. Unsere Hauptmethode ist die funktionelle Kernspintomographie. Darüber hinaus führen wir Verhaltensexperimente an Gesunden und Patienten durch und Arbeiten interdisziplinär mit anderen Fachgebieten (Neuroradiologie, Persönlichkeitspsychologie, Sprachwissenschaften) zusammen.

Kontakt

frontend.sr-only_#{element.contextual_1.children.icon}: 07071 29-86124


Leitung:


frontend.sr-only_#{element.contextual_1.children.icon}: PD Dr. Alexander Rapp


E-Mail-Adresse: alexander.rapp@med.uni-tuebingen.de


frontend.sr-only_#{element.contextual_1.children.icon}: Prof. Dr. Barbara Wild


E-Mail-Adresse: barbara.wild@med.uni-tuebingen.de


Aktuelle Projekte

Aktuelle Projekte

Ironie ist sprachliches Mittel und soziale Kognition zugleich. Unbedingt indirekt zu sein, macht sie bereits per Definition zu einem Paradebeispiel nichtwörtlicher Sprache. Besonderheit der pragmatischen Deutung ist neben der gängigen grammatischen Definition als „Gegenteil des Gesagten“ die notwendige Kontextualisierung und Perspektivübernahme für den Verständnisprozess. Trotz (meta-)kognitiver Komplexität, die ihre Dechiffrierung auf Rezipientenseite erfordert, findet sie sich als ubiquitäre Sprachfigur im alltäglichen Diskurs wieder. Gespräche, Filme, Literatur, soziale Medien – Ironie platziert sich in jeglichem sprachlichen Kommunikationsraum, ist notwendig intentional und nimmt so innerhalb sozialer Kognition eine Schlüsselrolle neben anderen Tropen ein.

Die hinlänglich bekannten Einschränkungen des Ironieverstehens bei Kindern und Autismus lassen sich bis dato auf Beeinträchtigung der Perspektivübernahme und pragmatischer Fähigkeiten zurückführen. Die Untersuchung des Verarbeitungsprozesses von Ironie wird in diesem Projekt auf weitere Krankheitsbilder (Borderline-Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie) übertragen und näher bestimmt. Neben der Konstruktion eines ökologisch validen Paradigmas aus Videos, interaktivem Design und der Möglichkeit, gezielt Bedingungen des Ironieverstehens zu variieren, wird dabei aktuell besonderer Augenmerk auf eventuelle Unterschiede innerhalb und zwischen den verschiedenen Psychopathologien gelegt und mit anderen Sprachfiguren, Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Kognitionen in Bezug gesetzt.

Humor als Charaktereigenschaft kann menschliche Beziehungen erleichtern und eine positive Bewältigungsstrategie darstellen. In diesem Projekt wird untersucht, inwieweit Humor bei psychiatrischen Patienten, insbesondere mit Depression oder Schizophrenie, als Charaktereigenschaft vorhanden ist, in wieweit der Umgang mit witzigem Material verändert ist, ob Humor als Bewältigungsstrategie eine Rolle spielt, ob Patienten diese Bewältigungsstrategie trainieren können und ob Hzumor evtl. einen protektiven Faktor darstellt.

Sprachverständnisschwierigkeiten treten früh im Verlauf schizophrener Erkrankungen auf und sind sowohl klinisch wie auch für das Verständnis der Pathophysiologie der Erkrankung von Relevanz. Eine lange bekannte Besonderheit sind hierbei insbesondere Schwierigkeiten im korrekten Verstehen nicht-wörtlicher, "übertragener" Bedeutungen (etwa von Metaphern, Metonymien, Ironie). Verschiedene Formen nicht-wörtlicher Sprache werden bei Gesunden und Patienten mit schizophrener Psychose unterschiedlichen Schweregrads mittels fMRI untersucht. Erste Ergebnisse bei gesunden Versuchspersonen weisen auf eine unterschiedliche funktionelle Neuroanatomie für verschiedene Arten nicht-wörtlicher Bedeutungen hin. Schizophrene Patienten weisen eine beeinträchtigte Aktivierung insbesondere in Kernregionen der Sprachperzeption auf. Ziel der aktuellen Untersuchungen ist auch die Bestimmung des Einflusses der Psychopathologie auf die Gehirnaktivierung, etwa der Einfluss des Schweregrades von formalen Denkstörungen.

Interindividuelle Unterschiede zwischen einzelnen Versuchspersonen sind in den meisten fMRI-Untersuchungen zu höheren kognitiven Funktionen (wie etwa dem Verstehen von Cartoons oder dem Lesen ganzer Sätze) nachweisbar. Obwohl diese eine bemerkenswerte intra-individuelle Stabilität aufweisen können, sind diese bisher unzureichend erforscht. Zahlreiche Untersuchungen weisen jedoch auf einen Einfluss von Persönlichkeitsvariablen hin. In einer aktuellen Untersuchung wird hierbei der Einfluss von Humor und Erheiterbarkeit (im Sinne einer Persönlichkeitseigenschaft) untersucht. Zur Anwendung kommen Paradigmen der Humor-Perzeption (Verstehen von Cartoons) und zur Wahrnehmung positiver Emotionen.

Definitionen und Begriffserklärungen

Definitionen des Begriffs "Emotion" existieren nahezu so viele wie Autoren, die darüber geschrieben haben. Mit Emotionen meinen wir, der Definition von Plutchik (1984) folgend, "komplexe Reaktionssequenzen auf Stimuli, die kognitive Evaluationen, subjektive Veränderungen, autonome und neurale Effekte, Handlungsimpulse und Verhalten beinhalten". Wichtig erscheint noch die Ergänzung von Damasio (2000), dass auslösende Stimuli sowohl intern (z.B. ein Gewebeschaden mit Schmerz, aber auch die Imagination einer Situation) wie auch außerhalb des Individuums (z.B. die Wahrnehmung einer anderen Person) sein können. Unsere Vorstellung ist also, dass Emotionen Reaktionskonvolute darstellen, die auf verschiedenen Ebenen ablaufen und physiologische Veränderungen wie neuronale Aktivierungen oder auch Herzfrequenzbeschleunigung, innerliche Wahrnehmung des eigenen Zustandes und beobachtbares Verhalten beinhalten. Dabei müssen diese Veränderungen nicht auf allen Ebenen gleich stark ausgeprägt sein - z.B. wird das äußerlich beobachtbare Verhalten normalerweise der jeweiligen Situation angepasst.

Sinnvoll ist die z.B. von Damasio (2000) getroffene Unterscheidung zwischen Emotionen ("emotion") und Stimmungen ("mood"), wobei ersteres als ein kurz, letzteres als ein länger andauernder Zustand betrachtet wird; Affekt ("affect") bezieht sich auf das Zusammenspiel von Emotionen und Gefühlen inklusive Motivation etc. und Gefühle ("feelings") sind die subjektive Wahrnehmung von Emotionen. In der Psychologie gab es in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Diskussion darüber, ob Emotionen bewusst sein müssen, auf die hier jedoch nicht weiter eingegangen sein soll (s. z.B. die unterhaltsame Zusammenfassung in dem Buch von LeDoux (1996)). Inzwischen ist jedoch anerkannt, dass ein beachtlicher Teil dessen, was eine Emotion ausmacht, unbewusst abläuft und zu einer Emotion nicht notwendigerweise eine bewusste Bewertung gehören muss.

Die funktionelle Kernspintomographie (fMRI, deutsch: fMRT) ist eine Forschungsmethode der funktionellen Hirnbildgebung, mit der sich darstellen lässt, welche Gehirnbereiche bei einer bestimmten kognitiven Leistung im Vergleich zu einer Kontrollbedingung benötigt werden. Das Prinzip ist vereinfacht dargestellt so: Mittels Kernspintomographie lassen sich die magnetischen Eigenschaften von Gewebe darstellen. In der klinischen Routine kommt das Verfahren z.B. zum Einsatz um strukturelle Aufnahmen vom Gehirn anzufertigen. Bei der fMRI macht man sich zusätzlich zu Nutze, dass sich die lokale Durchblutung in einem Gehirnbereich ändert, wenn in diesem Bereich viele Neuronen aktiv sind (man nennt dies den BOLD-Effekt). Da Blut Eisen enthält und somit spezielle magnetische Eigenschaften hat, führt dies auch zu einer zwar schwachen, jedoch messbaren Änderung der magnetischen Eigenschaften, und diese lässt sich messen und graphisch darstellen. 

Mittels einer komplexen Auswertemethodik lässt sich also feststellen, welche Bereiche des Gehirns während zweier verschiedener Bedingungen (etwa während dem Anschauen eines lustigen gegenüber einem nicht-lustigen Cartoon) unterschiedlich aktiv sind. So gewinnt man weitere Einsichten, welche Funktionen in welchen Bereichen des Gehirns repräsentiert sind (Grundlagenforschung). Direkte Untersuchungen, ob eine bestimmte Krankheit vorliegt oder ob die Versuchsperson etwas bestimmtes "denkt" sind mit dieser Methode aber (bisher) nicht möglich.

Kooperationen

  • Forschungsgruppe Psychotherapie der UKPP Tübingen (Prof. Dr. Klingberg)
  • Sektion für experimentelle Kernspinresonanz des ZNS, Universität Tübingen (Dr. Michael Erb)
  • School of Computing, University of Leeds (Dr. Katja Markert)
  • AG Psychophysiologie (Dr. Ehlis, S. Schneider)
  • Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Marburg (Prof. Dr. Kircher, Dr. Irina Falkenberg)
  • Institut für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik, Universität Zürich (Prof. Ruch)

Ausgewählte Publikationen

  • Felsenheimer A, Kieckhaefer C, Rapp A. (2017, October). A new German language test for irony comprehension in psychiatric disorders. Poster accepted for presentation at the World Congress of Psychiatry 2017, Berlin.
  • Schreier A, Rapp A. Neural correlates of faux pas-detection: the role of schizotypal personality traits. npj Schizophrenia. 2016; 2: 107. DOI: 10.1038/npjschz.2016.9.
  • Rapp AM, Herbert C, Ethofer T, Erb M, Arslan M. Neural correlates of experimental induced speech-illusions in non-clinical subjects: an fMRI-study using the white noise paradigm. Schizophrenia Bulletin. 2015; Supplement 1: 237.
  • Schneider S, Wagels L, Häußinger FB, Fallgatter AJ, Ehlis AK. Rapp AM. Haeodynamic and neural markers of pragmatic language comprehension in Schizophrenia.World J Biol Psychiat. 2015.
  • Ettinger U, Mohr C, Gooding DC, Cohen AS, Rapp A, Haenschel C, Park S. Cognition and Brain Function in Schizotypy: A Selective Review. Schizophrenia Bulletin. 2015; 2: 417-426.

Aktuelle Förderung

BMBF: The POSITIVE study. (Dr. A. Rapp, Karin Langohr)

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