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Bei einem Bandscheibenvorfall nicht gleich ans Schlimmste denken!

Probleme mit dem Rücken: Wer sie noch nicht selbst verspürt hat, kennt zumindest jemanden, der schon einmal davon geplagt wurde. An der Orthopädischen Universitätsklinik in Tübingen verfügen die Mediziner über viel Erfahrung mit dieser Volkskrankheit und auch über modernste Operationsmöglichkeiten. Prof. Nikolaus Wülker, Ärztlicher Direktor der Tübinger Orthopädie, rät allerdings vom vorschnellen Griff zum Skalpell ab. Denn zumeist lassen sich die sehr schmerzhaften Folgen eines Bandscheibenvorfalls ohne Operation bewältigen. Wie man richtig reagiert, erläutert Prof. Wülker im Interview.

Ärztin erklärt einem Mann anhand eines Skeletts die Wirbelsäule
Bandscheibenvorfälle sind schmerzhaft, eine Operation ist aber nur selten nötig. (Bildquelle: fotolia/Alexander Raths)
Ist der Bandscheibenvorfall eine typische Alterserscheinung?

Zunächst einmal ist eine Vorwölbung einer Bandscheibe in der Wirbelsäule ein sehr häufig auftretender Fall - und zwar unabhängig vom Alter. Wir haben sehr viele junge Menschen unter unseren Patienten. Bei ihnen äußert sich ein Bandscheibenvorfall oft sehr akut und sehr schmerzhaft, während bei älteren Patienten eher die Gefahr von chronischen Beschwerden besteht. Am häufigsten betroffen sind die unteren Lendenwirbel, mit deutlichem Abstand folgen die Bandscheiben der Halswirbel. Wenn bei einem Vorfall die Nervenwurzeln mit komprimiert werden, strahlen die Schmerzen auch ins Bein oder in den Arm aus.

Wie erkennen Sie die betroffenen Wirbel?

Zunächst dient eine genaue Untersuchung von Muskeln und Haut der Verortung. Für die Diagnose nutzen wir häufig auch die Kernspin- oder Computertomografie. Allerdings ist bei der Interpretation der so gewonnenen Bilder große Sorgfalt geboten: Längst nicht alle Schäden, die wir sehen können, sind auch eine Ursache für Schmerzen. Mit fortschreitendem Alter treten viele normale Veränderungen an der Wirbelsäule auf, und auch längst nicht alle Bandscheibenvorfälle verursachen tatsächlich Schmerzen. Zudem gibt es auch eine Vielzahl anderer denkbarer Ursachen für Rückenschmerzen. Deswegen müssen wir sehr genau prüfen, ob die Bilder zu den geäußerten Symptomen passen, bevor wir relativ sicher eine Aussage über den Ursprung der Schmerzen treffen können.


Und dann folgt die Operation?

Nur bei unmittelbaren Alarmzeichen, wie zum Beispiel fortschreitenden Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl oder Verlust der Blasenkontrolle. In allen anderen Fällen raten wir zunächst zu einem konservativen Therapieversuch. Abhängig vom Ausmaß der Schmerzen kann dieser in der Klinik unter der Beobachtung erfahrener Therapeuten und notfalls begleitet von Schmerzmittelgaben erfolgen. In vielen Fällen kann der Patient aber auch zu Hause die entsprechenden Maßnahmen umsetzen. Positiv wirken sich eine harte Unterlage und eine Stufenbettlagerung mit hochgelegten Beinen aus. Manche verwenden einen harten Rost mit einer flachen Schaumstoffmatratze, andere empfinden eine Campingmatte als angenehm. Auch Wärme tut bei einem Bandscheibenvorfall gut.


Wie hoch ist die Erfolgsquote dieser konservativen Therapie?

Bei mindestens 90 Prozent aller Patienten bessern sich die Symptome zumindest so weit, dass kein operativer Eingriff notwendig ist. Die vom Vorfall der Bandscheibe ausgelöste Reizung der Nerven geht allmählich wieder zurück. Wird die Belastung dann langsam wieder gesteigert, können die meisten Patienten nach einiger Zeit wieder ein ganz normales Leben führen. Die weit verbreitete Ansicht, dass auf einen ersten Bandscheibenvorfall fast zwangsläufig weitere Rückenprobleme folgen, ist nicht zutreffend.


Was können die Patienten dazu beitragen, dass ein Bandscheibenvorfall sich nicht wiederholt?

In der Rehabilitationsphase ist Bewegung sehr wichtig. Hier sind manchmal sogar Ärzte übervorsichtig. Nicht übertriebene Anstrengungen, aber regelmäßige körperliche Aktivitäten wirken sich grundsätzlich positiv aus. Vielen Patienten tut zum Beispiel Fahrradfahren gut, andere Wandern oder Walken lieber. Außer Fallschirm- und Bungeesprüngen ist nahezu jede sportliche Aktivität von Nutzen. Nach der akuten Phase kann auch Krankengymnastik segensreich wirken. Qualifizierte Therapeuten mit der entsprechenden Ausstattung, wie sie am Therapiezentrum des Uniklinikums vorhanden ist, helfen dem Patienten, wieder mobil zu werden und geben Anleitungen für Übungen, die später auch allein durchgeführt werden können.


Und wenn die konservative Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt?

Bei anhaltenden Schmerzen, zunehmenden Nervenschäden und einem entsprechenden Befund kommt eine Operation in Betracht, bei welcher die Bandscheibe so weit wie nötig entnommen wird. Durch den Einsatz von Mikroskopen während der Operation können wir die betroffene Stelle heute viel exakter bearbeiten als früher, obwohl die Hautschnitte heute durchschnittlich nur noch vier statt der früher üblichen zehn Zentimeter lang sind. Ansonsten hat sich die Operationstechnik im Lauf der Jahrzehnte bewährt. Alternative Ansätze wie der Laser-Einsatz oder das Einspritzen von chemischen Substanzen wurden weitgehend wieder verworfen.


Ist mit einer Operation das Problem in der Regel beseitigt?

Bei solchen Eingriffen ergeben sich nur selten Komplikationen, eine Garantie für einen dauerhaften Erfolg gibt es allerdings auch bei einer Operation nicht. Bei fortschreitendem Verschleiß, gegen den kaum eine Vorbeugung möglich ist, kann zu einem späteren Zeitpunkt eine größere Folgeoperation notwendig werden, bei der zwei Wirbelkörper gegeneinander versteift werden müssen. Diese so genannte Spondylodese dient der Behebung einer Instabilität der Wirbelsäule. Hier am Tübinger Universitätsklinikum haben wir alle Voraussetzungen, um auch später eventuell erforderliche größere Folgeeingriffe optimal zu gestalten.

Letzte Änderung: 09.10.2009

Im Interview:

Prof. Nikolaus Wülker

Ärztlicher Direktor Universitätsklinik für Orthopädie

Einrichtung: Universitätsklinik für Orthopädie

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