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Hüftgelenksarthroskopie birgt Risiken

"Die Hüftarthroskopie kann eine spätere Arthrose bereits im Keim ersticken" und "Hüftarthroskopie kann eine Hüftprothese vermeiden". Solche Schlagzeilen erwecken bei betroffenen Patienten den Eindruck, dass es sich bei der Spiegelung (Arthroskopie) des Hüftgelenks um eine harmlose, kleine Operation handelt. Über Komplikationen wird nicht gesprochen. Dr. med. Ulf Leichtle, Spezialist für arthroskopische Operationen an der Orthopädischen Universitätsklinik in Tübingen empfiehlt jedoch, die Indikation zu arthroskopischen Operationen am Hüftgelenk zurückhaltend zu stellen. Wir sprachen mit dem erfahrenen Orthopäden, wann ein solcher Eingriff empfehlenswert ist und auf was Patienten achten müssen.

Frau fasst sich an die Hüfte
Die Spiegelung des Hüftgelenks ist keine kleine Operation ohne Risiken. (Bildquelle: fotolia/Peter Atkins)
Herr Dr. Leichtle, sie haben in den letzten Jahren 30 Hüftgelenke arthroskopiert, zusätzlich wurden zahlreiche andere Patienten nach auswärtiger Arthroskopie des Hüftgelenks in die Orthopädische Universitätsklinik in Tübingen geschickt. Was sind ihre Erfahrungen?

Die Operation erfolgt meist in Vollnarkose, denn das Gelenk muss durch Zug am Bein 1 bis 2 cm auseinander gezogen werden, um ausreichend Einblick mit dem Arthroskop zu gewinnen. Der Gelenkknorpel und eine wichtige Knorpellippe oberhalb des Gelenks, das so genannte Labrum, sind so arthroskopisch gut zu sehen. Gefährlich ist dabei vor allem der Zug am Bein, der zu Nervenschäden führen kann. Bei unseren eigenen 30 Patienten kam es zwar lediglich zu einer vorübergehenden Taubheit am Oberschenkel. Bei anderen Patienten wurden jedoch eine schwere Lähmung des Beins, eine andauernde Taubheit des ganzen Beins und sogar eine Fraktur am Schenkelhals beobachtet. Auch über anhaltende Beschwerden wurden geklagt.

Die Patienten erhoffen sich von dem Eingriff eine Besserung ihrer Beschwerden. Kann ein bestehender Knorpelschaden bei einer Arthrose durch eine Arthroskopie überhaupt gebessert werden?

Es gibt keine Belege dafür, dass ein Knorpelschaden bei einer Arthrose durch eine Arthroskopie überhaupt gebessert oder aufgehalten werden kann. Auch am Kniegelenk hat sich viele Jahre nach Einführung der Arthroskopie gezeigt, dass mit diesem Verfahren keine dauerhafte Verbesserung der Arthrose zu erreichen ist. Dazu kommt, dass anders als am Knie - welches am häufigsten arthroskopiert wird - der Operationszugang zur Hüfte deutlich schwieriger ist. Deshalb sind die Weichteile, die das Gelenk umgeben, eher gefährdet. Wir empfehlen daher, die Indikation zu arthroskopischen Operationen am Hüftgelenk zurückhaltend zu stellen.


Gibt es auch Ausnahmen?

Nur wenn zum Beispiel bei einem umschriebenen Gelenkschaden der Hüfte klar abzusehen ist, was durch die Arthroskopie verbessert werden kann, ist diese Operation sinnvoll. Wenn eine Arthrose jedoch regelmäßig belastungsabhängige Schmerzen verursacht, muss nach wie vor an ein Kunstgelenk, also eine Endoprothese, gedacht werden.

Letzte Änderung: 07.01.2013

Im Interview:

Dr. med. Ulf Leichtle

Einrichtung: Universitätsklinik für Orthopädie

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